Was ist ein NRWG?
Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte erklärt

Definition, Funktion, Normen und Wartungspflicht für NRWGs in Deutschland – alles was Gebäudeeigentümer und Betreiber wissen müssen.

✓ DIN EN 12101-2 ✓ NRWG vs. MRA ✓ Wartungspflicht ✓ Kosten 2026

Auf einen Blick: Ein NRWG (Natürliches Rauch- und Wärmeabzugsgerät) ist ein Bauteil einer RWA-Anlage, das im Brandfall durch thermischen Auftrieb – also ohne Strom – Rauch und Hitze aus einem Gebäude ableitet. NRWGs sind in vielen Gebäudetypen vorgeschrieben und müssen regelmäßig gewartet werden.

Definition – Was bedeutet NRWG?

Das Kürzel NRWG steht für Natürliches Rauch- und Wärmeabzugsgerät. Es handelt sich um eine spezielle Öffnungsvorrichtung – meist in Dach oder Wand – die im Brandfall automatisch aufgeht und Brandrauch sowie Hitze durch natürlichen Kamineffekt nach außen ableitet.

NRWGs sind Bestandteil von RWA-Anlagen (Rauch- und Wärmeabzugsanlagen). Im Unterschied zu mechanischen Systemen nutzen sie ausschließlich physikalische Prinzipien: Heißer Rauch steigt auf, erzeugt einen Unterdruck und zieht so frische Luft durch Zuluftöffnungen im unteren Gebäudebereich nach.

Bestandteile eines NRWGs

🔲
Öffnungsflügel Klappe oder Flügel zum Rauchauslass
🔧
Antrieb Pneumatisch, elektrisch oder mit Federantrieb
🔌
Auslöseeinheit Thermostat, Rauchmelder oder Handauslösung
🌬️
Zuluftöffnung Ergänzendes Nachströmsystem am Gebäude
🏠
Rahmen & Einbau Dach-, Wand- oder Lichtbandintegration
⚙️
Steuerung Zentrale RWA-Steuereinheit im Gebäude

Wie funktioniert ein NRWG?

Das Funktionsprinzip eines NRWGs basiert auf dem physikalischen Phänomen des thermischen Auftriebs: Heiße Gase sind leichter als kühle Luft und steigen deshalb auf. Im Brandfall entstehen große Mengen heißen Rauchs, der nach oben drängt und durch geöffnete NRWGs ins Freie entweichen kann.

Im Normalbetrieb ist das NRWG geschlossen. Bei einem Brand wird es auf verschiedene Arten ausgelöst:

Sobald das NRWG öffnet, entsteht ein Kamineffekt: Durch die Zuluftöffnungen am Gebäude strömt kühle Frischluft nach, verdrängt den Rauch nach oben und hält bodennahe Schichten rauchfrei. Das schafft klare Fluchtwege und erleichtert die Brandbekämpfung erheblich.

✓ Wichtiger Vorteil Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte funktionieren im Brandfall auch bei Stromausfall, da der eigentliche Abzug ohne elektrische Energie auskommt. Das macht sie besonders zuverlässig in Notfallsituationen.

NRWG vs. MRA – Unterschiede im Vergleich

Neben den natürlichen Geräten (NRWG) gibt es auch maschinelle Rauchabzugsanlagen (MRA). Beide Systeme haben unterschiedliche Stärken und Einsatzbereiche:

Merkmal NRWG (natürlich) MRA (maschinell)
Wirkprinzip Thermischer Auftrieb Elektrischer Ventilator
Stromabhängigkeit ✓ Nein (Antrieb ggf. mit Backup) ✗ Ja (Notstrom erforderlich)
Kaltrauch ✗ Eingeschränkt ✓ Geeignet
Tiefe Gebäude ~ Begrenzt ✓ Gut geeignet
Investitionskosten ✓ Geringer ✗ Höher
Wartungsaufwand ✓ Gering ~ Höher
Windsensitivität ~ Abhängig von Windlastklasse ✓ Unabhängig
Typischer Einsatz Hallen, Atrien, Treppenhäuser Tiefgaragen, Tunnel, innenliegende Bereiche
Norm DIN EN 12101-2 DIN EN 12101-3

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Wo werden NRWGs eingesetzt?

Natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte sind in einer Vielzahl von Gebäudetypen gesetzlich vorgeschrieben oder werden aus brandschutztechnischen Gründen empfohlen:

🏭 Industrie & Logistik

Produktionshallen, Lagerhallen und Logistikzentren mit großen Deckenflächen – NRWGs sind hier oft gesetzlich vorgeschrieben.

🏬 Einzelhandel & Malls

Einkaufszentren und großflächige Einzelhandelsflächen nutzen NRWGs zur Rauchfreihaltung von Atrien und Gängen.

🏢 Büro & Verwaltung

Offene Büroflächen, Foyers und Treppenhäuser in Bürohäusern sind typische Einsatzbereiche.

🏥 Gesundheit & Pflege

Krankenhäuser und Pflegeeinrichtungen setzen NRWGs für Evakuierung und Brandbekämpfung ein.

🏛️ Öffentliche Gebäude

Schulen, Verwaltungsgebäude, Kultureinrichtungen – NRWGs schützen Personenkonzentrationen.

🏠 Wohngebäude

Mehrfamilienhäuser und Wohnanlagen mit innenliegenden Treppenhäusern benötigen RWA mit NRWGs.

Welche Normen gelten für NRWGs? (EN 12101-2)

Die maßgebliche europäische Norm für natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte ist die DIN EN 12101-2. Diese Norm definiert alle technischen Anforderungen, Prüfverfahren und Leistungsklassen für NRWGs.

DIN EN 12101-2 – Die wichtigsten Leistungsklassen

NRWGs werden nach mehreren Kriterien klassifiziert, die auf dem CE-Kennzeichen des Geräts angegeben sein müssen:

Öffnungsfläche
Aa (m²)
Aerodynamisch wirksame Öffnungsfläche
Windlast
WL 500–2000
Max. Windlast in Pascal
Schneelast
SL 250–1000
Belastung durch Schnee in N/m²
Temperatur
T(x) °C
Zuverlässiger Betrieb bei Tieftemperatur
Zuverlässigkeit
Re 1000–10000
Anzahl garantierter Schaltzyklen
Öffnungszeit
≤ 60 Sek.
Max. Zeit bis zur vollen Öffnung

Ergänzend zur EN 12101-2 gelten folgende weitere Normen und Vorschriften:

⚠️ Wichtig: CE-Kennzeichnung prüfen Seit Einführung der EN 12101-2 als harmonisierte europäische Norm müssen alle neu installierten NRWGs eine CE-Kennzeichnung tragen. Ältere Geräte ohne CE-Kennzeichen dürfen zwar weiterbetrieben werden, müssen aber spätestens bei der nächsten Grundüberholung auf normkonforme Geräte umgestellt werden.

Wartungspflicht für NRWGs

Die regelmäßige Wartung von NRWGs ist in Deutschland gesetzlich vorgeschrieben. Die Grundlage bilden:

Wartungsintervalle im Überblick

Maßnahme Intervall Durchführung
Sichtprüfung / Sichtkontrolle Monatlich Hausmeister / Betreiber
Funktionsprüfung (Probeauslösung) Halbjährlich Eingewiesenes Personal
Vollständige Inspektion & Wartung Jährlich Zertifizierter Fachbetrieb
Grundüberholung / Revisionsinspektion Alle 5–10 Jahre Zertifizierter Fachbetrieb
Außerordentliche Prüfung nach Ereignis Bei Bedarf Fachbetrieb / Hersteller

Für die jährliche Inspektion und Wartung muss ein qualifizierter Fachbetrieb beauftragt werden. Dieser muss über Kenntnisse der einschlägigen Normen und Herstellervorgaben verfügen, idealerweise mit einer Zertifizierung nach DIN 14675 oder einer VdS-Anerkennung.

✓ Tipp: Wartungsprotokoll führen Lassen Sie sich nach jeder Wartung ein detailliertes Wartungsprotokoll ausstellen. Dieses dient als Nachweis gegenüber Behörden und Versicherungen und ist im Schadensfall entscheidend für den Versicherungsschutz.

Weitere Infos zur Prüfpflicht und zum Wartungsablauf finden Sie in unserem ausführlichen Ratgeber zur RWA-Anlage-Prüfung.

Kosten für NRWG-Wartung

Die Wartungskosten für NRWGs hängen von verschiedenen Faktoren ab: Anzahl der Geräte, Hersteller, Zugänglichkeit, Baujahr und Art des Wartungsvertrags.

Leistung Kosten pro NRWG Hinweise
Jährliche Wartung (Einzelbeauftragung) 120 – 200 € Inkl. Anfahrt, ggf. höher bei schwerer Zugänglichkeit
Jährliche Wartung (Wartungsvertrag) 80 – 150 € Günstiger bei mehreren Einheiten
Funktionsprüfung (halbjährlich) 40 – 80 € Oft im Wartungsvertrag enthalten
Ersatzteile (Dichtungen, Federelemente) 20 – 80 € Je nach Verschleiß und Hersteller
Antriebstausch / Reparatur 200 – 600 € Bei defektem Antrieb, inkl. Montage
Geräteaustausch (komplett) 800 – 2.500 € Je nach Gerätegröße und Einbausituation

Bei Gebäuden mit mehr als 10 NRWGs lohnt sich ein Wartungsvertrag besonders, da die Stückkosten erheblich sinken. Mehr zu Wartungsverträgen erfahren Sie in unserem Ratgeber zum RWA-Wartungsvertrag.

Informationen zur steuerlichen Absetzbarkeit und möglichen Förderungen finden Sie auf unserer Förderungs-Übersichtsseite.

Häufige Probleme und Reparaturen

Trotz ihrer robusten Bauweise können NRWGs im Laufe der Zeit Verschleiß zeigen. Die häufigsten Probleme und ihre Ursachen im Überblick:

⚠️ Reparaturen nur durch Fachbetrieb Reparaturen an NRWGs sollten ausschließlich durch zertifizierte Fachbetriebe durchgeführt werden. Eigenmächtige Eingriffe können die Normkonformität aufheben und führen im Brandfall zum Erlöschen des Versicherungsschutzes.

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Häufig gestellte Fragen zu NRWGs

Ein NRWG (Natürliches Rauch- und Wärmeabzugsgerät) ist eine Öffnungsvorrichtung im Dach oder oberen Wandbereich eines Gebäudes, die im Brandfall automatisch aufgeht und Rauch sowie Hitze durch natürlichen thermischen Auftrieb nach außen ableitet. Es ist Bestandteil einer RWA-Anlage (Rauch- und Wärmeabzugsanlage) und funktioniert ohne elektrische Energie für den eigentlichen Abzug.

Ein NRWG (Natürliches Rauch- und Wärmeabzugsgerät) nutzt ausschließlich den physikalischen Auftrieb von heißem Rauch und benötigt keinen Strom für den Abzugsprozess. Eine MRA (Maschinelle Rauchabzugsanlage) hingegen setzt elektrisch betriebene Ventilatoren ein und ist unabhängig vom thermischen Auftrieb. NRWGs eignen sich besonders für Gebäude mit großer freier Höhe (Hallen, Atrien), während MRAs in Tiefgaragen, Tunneln oder bei Kaltrauchszenarien überlegen sind.

Die maßgebliche Norm für natürliche Rauch- und Wärmeabzugsgeräte ist die DIN EN 12101-2. Diese europäische Norm definiert Leistungsklassen (aerodynamische Öffnungsfläche, Windlastklassen, Schneelasten), Temperaturbeständigkeit, Öffnungszeiten und Zuverlässigkeitsanforderungen. Ergänzend gilt die deutsche DIN 18232-2 für die Planung von Rauchabzugsanlagen sowie VdS 4020 für Wartungsanforderungen.

Nach DIN 18232 und VdS 4020 ist eine jährliche Wartung durch einen qualifizierten Fachbetrieb vorgeschrieben. Zusätzlich sollten halbjährliche Funktionsprüfungen (Probeauslösungen) durch eingewiesenes Betriebspersonal erfolgen. Monatliche Sichtprüfungen können durch den Hausmeister durchgeführt werden. Nach besonderen Ereignissen (schwerer Sturm, Brandfall) ist eine außerordentliche Prüfung erforderlich.

Die jährliche Wartungskosten pro NRWG liegen in Deutschland typischerweise zwischen 80 und 200 Euro, je nach Zugänglichkeit, Hersteller und ob ein Wartungsvertrag abgeschlossen wurde. Bei mehreren Einheiten und einem Rahmenvertrag sinken die Stückkosten erheblich. Hinzu kommen eventuelle Ersatzteilkosten für Dichtungen und Verschleißteile. Eine Reparatur des Antriebs kostet in der Regel zwischen 200 und 600 Euro.

Ja, alle neu installierten NRWGs müssen seit Einführung der EN 12101-2 als harmonisierte europäische Norm eine CE-Kennzeichnung tragen. Diese belegt, dass das Gerät die Mindestanforderungen der Norm erfüllt. Ältere Geräte ohne CE-Kennzeichen dürfen weiterbetrieben werden, sollten aber spätestens bei der nächsten Grundüberholung durch normkonforme Geräte ersetzt werden. Die CE-Kennzeichnung ist bei behördlichen Prüfungen und im Schadensfall relevant.

Ein nicht funktionierendes NRWG ist ein ernsthaftes Sicherheitsrisiko. Im Brandfall kann es nicht öffnen, wodurch Rauch sich im Gebäude ansammelt, Fluchtwege unpassierbar werden und Menschenleben gefährdet sind. Rechtlich haften Betreiber persönlich für Schäden, die aus mangelhafter Wartung entstehen. Außerdem kann der Versicherungsschutz erlöschen. Behörden können die Nutzung des Gebäudes untersagen, bis die Anlage wieder funktionsfähig ist.

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